Traurednerin buchen: Warum das echte Gespräch vor der Buchung entscheidet
- Karen Isensee

- 19. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Vor Kurzem haben mein Mann und ich unsere Silberhochzeit geplant. Wir wollten es nach 25 Jahren richtig krachen lassen und unbedingt ein große Liveband engagieren.
Wir haben uns durch etliche Youtube-Videos geklickt, mehrere Bands angeschrieben, und eine davon hat uns musikalisch richtig gut gefallen. Doch statt eines Gesprächs bekamen wir postwendend ein Buchungsformular zugeschickt. Kein Rückruf, keine Frage nach unseren Gästen, unserer Feier, unseren Vorstellungen – einfach nur: unterschreiben, bitte.
Das fühlte sich falsch an. Also haben wir diese Band aussortiert.
Am Ende haben wir uns für eine andere Band entschieden – und der Unterschied hätte kaum größer sein können. Die haben gefragt und gefragt: Wer sind eure Gäste? Wie ist die Altersstruktur bei der Feier? Was für eine Location ist das? Welche Musik hört ihr, welche eure Gäste? Und erst danach haben sie gesagt, ob und wie sie das umsetzen können. Der Kontakt wurde so herzlich, dass wir die Band am Ende sogar bei uns übernachten ließen und am nächsten Morgen noch lange gemeinsam gefrühstückt haben. Ein wirklich schöner Abend – und eine Erfahrung, die mir als Traurednerin noch mal ganz neu vor Augen geführt hat, wie wichtig das ausführliche Vorgespräch eigentlich ist.
Warum das für freie Trauungen genauso gilt
Eine Band muss genau wissen, für wen sie spielt und was die Leute mögen. Bei einer freien Trauung ist das nicht anders – nur, dass hier noch mehr auf dem Spiel steht: sehr persönliche, oft emotionale Inhalte, die vor den eigenen Gästen erzählt werden. Damit daraus eine stimmige Zeremonie wird, muss die zwischenmenschliche Ebene passen. Und das lässt sich nicht an einem Formular ablesen.
Deshalb biete ich als Traurednerin ein unverbindliches Kennenlernen an, bevor überhaupt von einem Vertrag die Rede ist. Wir setzen uns zusammen, meist bei einem Kaffee, ganz ohne Zeitdruck. Ihr bekommt Eindrücke von vergangenen Trauungen zu sehen, ich bringe immer ein paar Fotos mit, wir sprechen über eure Vorstellungen – und danach geht ihr erst einmal nach Hause. Ohne Unterschrift. Der gewünschte Termin bleibt trotzdem für euch reserviert, bis ihr euch sicher seid.
Zwei Gründe, warum ein Kennenlernen scheitern kann – und warum das okay ist
Aus meiner Erfahrung gibt es zwei ganz unterschiedliche Gründe, warum es nach so einem Treffen nicht zur Buchung kommt.
Der erste: Die Chemie stimmt einfach nicht. Das passiert, und genau dafür ist das Kennenlernen da. Lieber merkt man das vorher in einem entspannten Gespräch als erst während der Zeremonie.
Der zweite Grund ist ein anderer: Das gewünschte Format passt nicht zu dem, was ich anbieten kann oder will. Ich hatte zum Beispiel schon eine Anfrage für eine Wikinger-Trauung – davon habe ich schlicht keine Ahnung, und das möchte ich auch niemandem vortäuschen. Das ist einfach nicht mein Ding. Eine andere Anfrage betraf eine freie Trauung während einer Fahrt mit einer historischen Dampflok. Das Problem dabei: Die Gäste waren gar nicht zur Hochzeit eingeladen, sondern zu einem geselligen Glühwein-Nachmittag in einer sehr lauten Bimmelbahn – Stimmung und Umgebung waren auf lockeres Plaudern und Trinken ausgelegt, nicht auf ein konzentriertes Zuhören während einer Zeremonie. Auch diese Anfrage habe ich abgelehnt.
Beides sind legitime Gründe, warum aus einem Kennenlernen keine Buchung wird. Und beides lässt sich eben nur in einem echten Gespräch klären – nicht in einem Formular.
So läuft das erste Treffen bei mir konkret ab
Damit ihr euch etwas darunter vorstellen könnt: Wir treffen uns entweder bei mir zu Hause, bei euch zu Hause, in einem Café oder an einem anderen Ort, an dem ihr euch wohlfühlt. Ich mache mir höchstens ein paar Notizen – nichts Verbindliches. Meistens bringe ich meine Fotoalben mit, in denen ihr Bilder von vergangenen Hochzeiten seht, inklusive der ganz unterschiedlichen Traurituale, die dabei möglich sind. Ich erzähle von anderen Zeremonien, und ich erkläre auch ganz offen, wie es weitergeht, falls ihr euch für mich entscheidet.
Denn sobald ihr euch sicher seid, schließen wir einen Vertrag – damit sind beide Seiten abgesichert, und euer Termin wird mit einer kleinen Anzahlung fest für euch reserviert. Danach folgen zwei große gemeinsame Treffen. Für das erste solltet ihr etwa zwei bis drei Stunden einplanen: Hier befrage ich euch sehr ausführlich zu eurer Kennenlerngeschichte, dazu, was euch verbindet, was ihr aneinander liebt, und zu allem, was später in der Traurede vorkommen soll. Beim zweiten Treffen klären wir alles Organisatorische, suchen gemeinsam die Musik aus und legen das Ritual fest. Dazu gehört auch die persönliche Traufrage – die eine Frage, auf die ihr am Tag der Zeremonie mit "Ja, ich will" antwortet. Jedes Paar bekommt bei mir eine eigene, individuell auf euch zugeschnittene Traufrage. Wie genau diese entsteht, ist noch mal ein Thema für sich, dem ich einen eigenen Artikel widmen möchte.
Was das für eure Suche bedeutet
Wenn ihr auf der Suche nach einer Traurednerin oder einem Trauredner seid, lohnt es sich, gezielt zu fragen: Gibt es ein unverbindliches Kennenlernen, bevor irgendetwas unterschrieben wird? Und nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, um sicher zu sein – ein gutes Gefühl unter Zeitdruck ist selten ein verlässliches Gefühl.
Genau wie bei unserer Bandsuche zur Silberhochzeit gilt: Wer wirklich fragt, wer wirklich zuhört, bevor er ein Angebot macht, zeigt damit auch, wie er später mit eurem großen Tag umgehen wird.




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