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Mein Herz-Moment im Monat Juli 2022

Aktualisiert: 18. Juni 2023







Manchmal ist der Herz-Moment bei mir eben ein Schmerz-Moment, aber ein Moment, der mich so unendlich berührt.

Im Juli 2022 war ich zum Trauergespräch bei einer Witwe, die nicht nur ihren Mann verloren hatte, sondern sie hatte ihn auch an einem ganz besonderen Tag verloren. Jahrzehnte zuvor hatte sie an diesem Tag Zwillinge zur Welt gebracht. Allerdings durfte sie die beiden Kinder nie sehen. Man sagte ihr damals sehr unsensibel und grausam, dass es mit den beiden "nichts geworden wäre", weil sie sehr krank waren und sie sollte froh sein, dass die Kinder nicht am Leben geblieben waren. Der unfassbare Schmerz, den sie als junge Mutter litt, interessierte damals offenbar niemanden, von psychologischer Betreuung war nie die Rede. Sie erfuhr nicht mal, wo ihre Kinder bestattet wurden. Weil sie nie die Gelegenheit hatte, den Tod ihrer Kinder wirklich zu realisieren, geschweige denn, sich von ihnen zu verabschieden, geisterten diese beiden Kinder Jahrzehnte durch ihr Leben. Oft hatte sie das Gefühl, dass sie da waren, an jedem Jahrestag dieses Ereignisses überfiel sie dieser namenlose Schmerz und sie musste sich zurückziehen, um diesen Tag auszuhalten.

Erst Jahre später hat sie diese Ereignisse mit Hilfe eines guten Psychotherapeuten aufgearbeitet. Dieser Therapeut hat auch die Totenscheine der beiden Kinder ausfindig gemacht und auch den Friedhof, auf dem sie bestattet wurden.

Das hat ihr geholfen, zu akzeptieren, dass ihre Kinder wirklich tot sind und die unendliche und hoffnungslose Suche nach ihnen beendet. Eigentlich konnte erst hier der Trauerprozess beginnen, das Verarbeiten des Todes der Kinder und des Schmerzes darüber.

Warum das Universum es so eingerichtet hat, dass auch ihr geliebter Mann an genau diesem Datum gestorben ist, weiß ich auch nicht. Mich hat diese Geschichte so tief berührt. Vor allem der rücksichtslose Umgang mit der Mutter nach dem Tod der Zwillinge, der zu DDR-Zeiten offenbar nicht unbedingt die Ausnahme war und ihr ohnehin schon furchtbares Schicksal noch ins Unermesslich gesteigert hat.

Zum Glück hat die Frau kurze später einen gesunden Sohn geboren, zu dem sie auf ein sehr inniges Verhältnis hatte und der ihr eine wirkliche Stütze war. Die tiefe Liebe, die diese Familie verbindet, hat mich sehr beeindruckt.

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